Strukturierter Überblick über die aktuelle Evidenzlage — von der klinischen Fragestellung über Wirksamkeits- und Sicherheitsendpunkte bis zur methodischen Belastbarkeit der Datenbasis.
Fallbeispiel zur Illustration
Patient, 64 Jahre, NSCLC im Stadium IV (Adenokarzinom), KRAS-G12C-Mutation. Progression unter vorausgegangener Platin-basierter Chemoimmuntherapie (Checkpoint-Inhibitor). ECOG-Performance-Status 1. Indikation zur Zweitlinientherapie.
Leitfrage: Erbringt die KRAS-G12C-Inhibition gegenüber Docetaxel einen klinisch relevanten Zusatznutzen — und in welcher Effektgröße bei welcher Endpunktsicherheit?
Die Aussagekraft der genannten Endpunkte hängt von der methodischen Qualität der Primärstudien ab. Vier Dimensionen explizieren die Beschaffenheit der Evidenz — deskriptiv, ohne Wertung.
Zwei randomisierte Phase-III-Studien mit unabhängigem Review gegen identischen Komparator (Docetaxel); ergänzend eine einarmige Phase-II-Studie.
Heterogenes Evidenzniveau in der Leitlinienbewertung (⊕⊕⊕⊕ bis ⊕⊝⊝⊝); Adagrasib-Daten teils nur als Kongress-Abstract publiziert; Adagrasib in DE nicht marktverfügbar.
Beide Studien prüfen dieselbe Substanzklasse gegen identischen Komparator mit identischem Primärendpunkt — homogene, gleichgerichtete Effektschätzer (HR 0,66 bzw. 0,58).
Die Konsistenz basiert auf lediglich zwei Studien — eine schmale Evidenzbasis, auf der formale Heterogenitätsmaße (τ², Prädiktionsintervall) überinterpretiert wären.
Zwei randomisierte Studien (n = 375 bzw. 453) plus eine Phase-II-Studie; der PFS-Benefit ist über zwei Substanzen repliziert.
Insgesamt schmalere Datenbasis als bei länger etablierten Zielstrukturen; das günstige Toxizitätsprofil ist jedoch über beide Substanzen reproduziert.
PFS, ORR, Toxizität und strukturierte patientenberichtete Endpunkte (PRO) sind durchgängig belegt.
Der OS-Endpunkt ist in beiden Studien durch das protokollarische Cross-over konfundiert — die zentrale Lücke dieses Evidenzprofils.